Ein jüdischer Polizeiauszubildender israelischer Herkunft wird von mehreren – in Teilen rechtsextremen – Mitauszubildenden über zwei Jahre antisemitisch gedemütigt und misshandelt.
In der West-Berliner Polizeischule Ruhleben wurde 1982 ein Fall von mehrjähriger antisemitischer Misshandlung aufgedeckt. Betroffen war ein deutscher Polizeiauszubildender, in Israel geboren, der seit 1980 massiven physischen und psychischen Schikanen durch Mitauszubildende ausgesetzt war. Die Täter verhöhnten und beleidigten den jungen Mann antisemitisch, urinierten in sein Bett, beschmierten seine Schuhe mit Weichkäse und sprühten ihm mit einer Spraydose ins Gesicht, mit dem Kommentar: „Jetzt spielen wir mal Vergasen.“ Sie betonten mehrfach, es seien „nicht genug Juden vergast worden“, fesselten ihn nach dem Sportunterricht mit Judogürteln und spielten „Judenaufhängen“ mit ihm. Obwohl diese Vorfälle fast zwei Jahre andauerten, drangen sie nicht nach außen – weder Ausbilder noch andere Mitauszubildende griffen ein. Der Fall wurde erst öffentlich, als ein Ausbilder die Parole „Du Judensau“ auf der Rückseite einer Klassentafel entdeckte und Meldung erstattete. Ermittlungen gegen zwei Mitauszubildende wurden aufgenommen. Bei mindestens einem der Täter wurden faschistische Literatur, NS‑verherrlichende Gegenstände und Patronen gefunden. Trotz dieser Beweislage war die Einordnung des Gerichts, die Täter seien „keine überzeugten Neonazis“. Die beiden Täter wurden aus der Polizeischule suspendiert und zu Geldstrafen verurteilt. Ein Prozess gegen sieben weitere Mitschüler, die an den antisemitischen Schikanen beteiligt waren, fand nicht statt – laut Medienberichten „weil der Strafantrag zu spät gestellt wurde oder weil der antisemitische Bezug nicht mehr herstellbar war.“